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Der feem blog

Kategorie: Allgemein

Persönliche Sicherheit – das vergessene Puzzlestück der mentalen Gesundheit 

Wer an mentale Gesundheit denkt, hat oft Entspannung, Resilienz oder Ausgeglichenheit im Kopf. Stress, Druck oder fehlender Schlaf können die mentale Gesundheit schwächen. Woran kaum jemand denkt: persönliche Sicherheit. Doch die hat einen enormen Einfluss auf deine mentale Gesundheit.   

Es ist spät, die U-Bahn fast leer. Eine Frau sitzt allein im Abteil, Musik in den Ohren, doch ein Rest Aufmerksamkeit bleibt. Der Mann gegenüber starrt. Steht auf. Kommt näher. Sie hält den Atem an, weicht aus, steigt zwei Stationen früher aus. Eigentlich ist nichts passiert – außer einem mulmigen Gefühl, das bleibt und sie vielleicht die ganze Nacht noch begleitet.  

Szenen wie diese sind Alltag. Sie zeigen: Mentale Gesundheit hat nicht nur mit Stress und Überlastung zu tun – sondern auch mit dem Gefühl, sicher zu sein. 

Die unterschätzte Verbindung 

Wenn wir über mentale Gesundheit sprechen, geht es meist um Stress, Arbeitsverdichtung, Erschöpfung, fehlende Pausen. Was selten mitschwingt: das Gefühl von Unsicherheit. Dabei zeigen Studien, dass genau das Menschen belastet – nicht nur auf dem Heimweg. 

Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2023 fühlen sich über 40 Prozent der Frauen in Deutschland abends in öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher. Bei jungen Frauen unter 35 sind es sogar über 50 Prozent. Auch Männer erleben Situationen, in denen sie sich bedroht oder überfordert fühlen – nur wird seltener darüber gesprochen. Die Folge? Ein permanentes Alarmgefühl. Und das wirkt sich aus – auf Konzentration, Schlaf, Wohlbefinden und die Performance im Job. 

Job und Alltag: Unsicherheit kennt keine Uhrzeit 

Ein Beispiel aus dem Berufsleben: Ein Kollege macht im Meeting einen unpassenden Witz. Es wird gelacht, auch von der Betroffenen. Doch das Lachen ist unsicher. Niemand sagt etwas – die Situation zieht vorbei, bleibt aber hängen. Wer einmal merkt, dass die eigenen Grenzen übertreten wurden und keine Reaktion erfolgt, speichert diese Erfahrung. Beim nächsten Mal wird geschwiegen. Oder vermieden. 

Im Privaten passiert das subtiler: Ein Vater, der auf dem Spielplatz eine aggressive Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen beobachtet und nicht weiß, ob oder wie er eingreifen kann. Das Gefühl von Hilflosigkeit bleibt, oft gepaart mit Scham. Hätte ich etwas sagen sollen? War es gefährlich? Habe ich richtig reagiert? 

“Diese inneren Dialoge machen etwas mit uns. Sie verunsichern. Sie machen still. Und sie zeigen: Mentale Gesundheit beginnt nicht erst im Burnout-Screening – sondern oft in ganz alltäglichen Situationen, in denen wir uns bedroht, übergangen oder machtlos fühlen”, sagt feem-Gründer Till Völzke.  

Was bedeutet das für Unternehmen?  

Ganz klar: Persönliche Sicherheit gehört ins BGF. Wer psychische Gesundheit stärken will, sollte auch über persönliche Sicherheit sprechen. Dazu gehören nicht nur Notfallnummern und Vertrauenspersonen – sondern auch Formate, in denen Mitarbeitende lernen, Grenzen zu setzen, Konflikte deeskalierend zu lösen und andere zu unterstützen. 

Solche Kompetenzen stärken nicht nur die Resilienz, sondern auch das Miteinander. Denn wo Sicherheit spürbar ist, entsteht Vertrauen. Und wo Vertrauen wächst, sinkt die mentale Belastung. 

Sicherheit wirkt 

Persönliche Sicherheit ist mehr als ein Gefühl. Sie ist eine Voraussetzung für psychische Gesundheit. Wer das ignoriert, lässt einen entscheidenden Faktor im BGM außen vor. Es ist Zeit, die Verbindung zu sehen: Zwischen Sicherheit, Selbstwirksamkeit und mentaler Stärke. Denn Unsicherheit – ob im Büro oder auf dem Nachhauseweg – wirkt leise, aber nachhaltig. Genau wie Vertrauen. Nur in eine andere Richtung. 


Lisa Gerth, 29. Juni 2026