Wenn Konflikte entstehen, sind es Ruhe und die richtigen Worte, die den Unterschied machen, damit die Situation nicht eskaliert. Volker Heckt zeigt in seinem Buch „Reden statt schlagen. Du musst nicht laut sein, um gehört zu werden“ und in seinen Trainings, wie Deeskalation einfach und ohne Gewalt funktioniert. Im feem-Interview erklärt er, warum Sprache eine Form der Selbstverteidigung sein kann.
feem: Volker, was bedeutet Deeskalation für dich?
Volker Heckt: Deeskalation ist für mich der sicherste Weg, um mit jemandem umzugehen, der sauer auf dich ist und/oder dich angreifen will. In so einer Situation musst du dich selbst schützen. Und genau da liegt ein großes Problem: Viele denken in Techniken. Ich arbeite bewusst anders. Für mich geht es nicht um feste Abläufe, sondern um einfache Prinzipien, die jeder unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlicher Fitness anwenden kann. Denn unter Stress funktioniert nichts, was du kompliziert lernen musst. Gewalt ist dabei der schlechteste Weg, auch wenn uns Hollywood etwas anderes zeigt. Entscheidend ist, dass du ruhig bleibst und die richtigen Worte findest.
feem: Welche Sätze können eine Situation deeskalieren?
VH: Das kann zum Beispiel sein: “Entschuldigung, was habe ich gemacht, um dich so sauer zu machen?”. Das schwächt den Ärger ab. Sätze wie “Jetzt beruhige dich doch mal” bringen oft nichts – im Gegenteil, sie führen oft zu viel mehr Frust. Es klingt banal, aber das Wichtigste ist, nett und freundlich zu sein. Gezielte Sprache ist viel wirksamer als Schläge der Tritte.

feem: Du gibst seit vielen Jahren Trainings für Deeskalation und Selbstschutz. Worauf liegt in deinem Training der Schwerpunkt?
VH: Das Ziel meiner Trainings ist es, dass die Teilnehmer:innen lernen, sich selbst zu schützen und sich selbst zu verteidigen. Dabei geht es nicht um Kampfsport. Ein Gürtel, eine Urkunde oder eine Graduierung nützen dir nichts, wenn eine Situation eskaliert. Stresstests in Schutzausrüstung sind immer Bestandteil einer Stunde, um reale Situationen darzustellen. So lernen die Teilnehmer:innen zu improvisieren. Selbstverteidigung kann man in der Theorie lernen, aber man muss sie auch unter Stress anwenden können. Das geht nur durch Üben.
feem: Du hast ein Buch mit dem Titel “Reden statt schlagen. Du musst nicht laut sein, um gehört zu werden” geschrieben. Wie bist du dazu gekommen und worum geht es in deinem Buch?
VH: Ein Trainingskollege hat mich auf die Idee gebracht mein Wissen aufzuschreiben, weil er kein Buch zum Thema Selbstschutz gefunden hat, was leicht zu verstehen war. In meinem Buch geht es um die Prinzipien der Deeskalation. Einfach erklärt, ohne Fachsprache und ohne unrealistische Szenarien.Ich möchte Menschen erreichen, die sich sicherer fühlen wollen. Und die im Alltag oder im Beruf mit schwierigen Situationen umgehen müssen.
Mehr Infos zu Volker Heckts Kursen und seinem Buch gibt es hier!