Wie erlebt eine Führungskraft einen feem-Selbstverteidigungskurs gemeinsam mit ihren Mitarbeiter:innen? Stephan Jender, Geschäftsführer von REAL Solution, hat es ausprobiert. Im feem-Interview spricht er darüber, was er über Sicherheit gelernt hat und warum er diese Erfahrung jedem Unternehmen empfehlen würde.
feem: Stephan, warum hat sich euer Unternehmen entschieden, einen Selbstverteidigungskurs als Maßnahme des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu organisieren?
Stephan Jender: Mitarbeiter:innen haben uns rückgemeldet, dass sie sich auf ihrem Arbeitsweg unsicher fühlen. Gerade im Herbst und Winter, wenn es länger dunkel ist, wird das für einige zur Belastung. Wir haben überlegt, wie wir die Situation verbessern und unseren Mitarbeiter:innen mehr Sicherheit geben können. Tanja Bylda, ebenfalls Geschäftsführerin, hat sich dann dafür eingesetzt und die Organisation eines Selbstverteidigungskurses mit feem übernommen.
feem: Du hast selbst am Kurs teilgenommen. War es für dich eine Hürde, gemeinsam mit euren Mitarbeiter:innen diesen Kurs zu absolvieren? Persönliche Sicherheit ist ein sensibles Thema. Da möchte man sich vielleicht nicht unbedingt vor seinem Chef öffnen.
SJ: Ein zentraler Bestandteil meines Führungsstils ist für mich der Faktor Mensch. Vertrauen und Respekt sind mir wichtig. Ich bin viel im Haus unterwegs, spreche mit unseren Mitarbeiter:innen, höre ihnen zu und frage mich dabei immer: Wie schaffe ich es, dass unsere Mitarbeiter:innen gute Ergebnisse erzielen? Deshalb war es für mich keine Hürde, am Selbstverteidigungskurs teilzunehmen. Ganz im Gegenteil: Ich wollte damit zeigen, dass die Chefetage nicht nur redet und eine Show veranstaltet, sondern selbst mittendrin ist und die Probleme der Belegschaft ernst nimmt.
feem: Wie hast du den Kurs erlebt?
SJ: Ich war überrascht, wie schnell sich die Techniken mit ein paar Wiederholungen erlernen lassen. Ich hatte erwartet, dass sich der theoretische und der praktische Teil die Waage halten würden. Tatsächlich haben wir viel mehr selbst geübt, als dass wir “nur” zugehört haben. Eine gewisse Hemmschwelle hatte ich, anderen Menschen ins Gesicht zu fassen oder sie zu schlagen und zu treten. Das ging aber vielen so, die ich beobachtet habe. Insgesamt hat mir der Kurs Spaß gemacht, und ich bin froh, diese Erfahrung gemeinsam mit unseren Mitarbeiter:innen gemacht zu haben.

feem: An dem Training haben Frauen und Männer gemeinsam teilgenommen. Wie wirkt sich das deiner Ansicht nach auf die zukünftige Zusammenarbeit im Team aus?
SJ: Ein gemischter Kurs ist sowohl für Frauen als auch für Männer etwas Besonderes und zugleich herausfordernd. Im Training wird den Teilnehmenden bewusst, dass alle unterschiedliche Stärken mitbringen. Das hilft dabei, besser zu verstehen, wie andere denken und handeln. Ich bin überzeugt, dass der Kurs den Zusammenhalt in unserem Unternehmen gestärkt hat und sich auch langfristig positiv auf das Teamgefühl auswirken wird.
feem: Was hat sich für dich durch den Kurs verändert?
SJ: Ich bin in meiner Umgebung deutlich aufmerksamer und sensibler geworden. Ich schaue mich häufiger um, was ich positiv finde. Erst dadurch ist mir aufgefallen, wie viele Menschen ständig auf ihr Smartphone schauen und gar nicht mehr mitbekommen, was um sie herum passiert. Ich habe gelernt, wie wichtig Sicherheit ist – im Alltag, im Job, eigentlich überall.
feem: Wie ist das Feedback eures Teams gewesen?
SJ: Das Feedback war durchweg positiv. Die Mitarbeiter:innen, die teilgenommen haben, werden von den anderen gefragt, ob es weiter geht und auch für die ein Kurs angeboten wird, die noch nicht teilnehmen konnten.
feem: Welchen Mehrwert hat der Kurs für REAL Solution?
SJ: In unserer Branche konkurrieren wir mit vielen anderen Unternehmen um Fachkräfte. Deshalb ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, dass wir uns mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen – gerade auch vor dem Hintergrund, dass 80 Prozent unseres Teams weiblich sind. Für REAL Solution kann ich sagen, dass der Kurs eine sehr sinnvolle Investition war. Er hat unseren Mitarbeiter:innen einen nachhaltigen Mehrwert geboten und wird hoffentlich auch ihre Bindung an das Unternehmen stärken. Die Kosten für Recruiting und andere Personalmaßnahmen sind deutlich höher.