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Der feem blog

Kategorie: AllgemeincategoryInterview

“Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein Investment in die Zukunft” 

Im Arbeitsalltag gibt es viele Faktoren, die die Gesundheit der Mitarbeiter:innen negativ beeinflussen. Nur, wenn Unternehmen diese ernst nehmen, können sie langfristig erfolgreich sein. Miriam Fuchs und Svenja Lawall schaffen mit CaraVita Business Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz – mit mehr als Obstkorb und Yogakurs. Im feem-Interview sprechen sie über Stresskompetenz, die Verantwortung von Führungskräften und darüber, warum Soft Skills oft unterschätzt werden. 

feem: Arbeit kann krank machen. Das ist vielleicht spitz formuliert, aber leider keine Seltenheit. Welche Faktoren im Arbeitsalltag wirken sich auf die Gesundheit von Mitarbeiter:innen aus? 

Miriam Fuchs: Es gibt im Arbeitsalltag viele Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen. Das fängt bei den Rahmenbedingungen an. Welches Arbeitsmaterial bekomme ich bereitgestellt und ist das funktionsfähig? Wie ist die Arbeitsumgebung? Da spielen Licht, Klima oder Lärm eine Rolle. Aber auch die strukturellen Gegebenheiten sind entscheidend. Wie ist meine Tätigkeit beschrieben? Gibt es Hierarchieebenen im Unternehmen? Wie verhalten sich die Führungskräfte? Auch das Miteinander im Team zählt. 

Svenja Lawall: Der Eigenanspruch, den ich an mich habe, ist auch wichtig. Wenn mir mein Unternehmen einen höhenverstellbaren Schreibtisch zur Verfügung stellt, ich ihn aber nicht nutze, liegt das in meiner eigenen Verantwortung. Und auch externe Faktoren haben einen Einfluss, wie z.B. die Corona-Pandemie, KI oder Robotik. Veränderungen oder technische Neuerungen sind oft mit Ängsten verbunden. Da muss sich das Unternehmen fragen: Wie können wir Sicherheit geben? 

feem: Vor ein paar Jahren galten Obstkorb und Yogakurs als Standard im BGM. Spürt ihr bei den Unternehmen ein Umdenken, dass das eben nicht reicht? 

MF: Ich glaube da stehen viele Unternehmen noch am Anfang. Man ist sich bewusst, dass das nicht reicht, aber hat noch kein Verständnis dafür, wie es ganzheitlich funktionieren kann. Dabei scheitert es selten am Willen oder der Notwendigkeit. Es liegt oft am finanziellen Rahmen und der Umsetzung. Gesundheitsprävention wird leider oft als erstes gestrichen, wenn die Budgets knapper werden. 

SL: Viele Unternehmen können Einzelmaßnahmen schneller umsetzen. Obstkorb und Yogakurs sind greifbarer als Gesundheitsanalysen. Ich kann die Firmen durchaus verstehen, an erster Stelle steht immer die Wirtschaftlichkeit. Wirksames BGM ist ein langer Prozess und eine Investition in die Zukunft. Ich kann nicht eine Maßnahme umsetzen und am nächsten Tag schon 20 Krankheitstage weniger haben. Aber es zahlt sich aus und gerade bei Soft Skills lohnt es sich genauer hinzuschauen, denn die entscheiden, ob sich die Mitarbeiter:innen im Job sicher fühlen und gesund sind. 

feem:  Warum lohnt es sich trotz knapper Kassen, in die Gesundheit der Mitarbeiter:innen zu investieren? 

MF: Leistungsfähige und produktive Mitarbeiter:innen erhöhen den Umsatz des Unternehmens und kosten weniger als Kranke. Außerdem identifizieren sich die Angestellten intensiver mit dem Arbeitgeber und bleiben treu, auch, wenn es Herausforderungen gibt. Die Firma kann sich auch nach außen besser präsentieren und wird für Fachkräfte attraktiver, gerade auch aus der jüngeren Generation.  

SL: Neueste Studien zeigen, dass psychische Erkrankungen immer weiter steigen. Da sind die Ausfallzeiten besonders hoch. Die Unternehmen können präventiv gut dagegensteuern.  

Zwei Frauen sitzen auf dem Boden vor einer beigen Wand.
Svenja Lawall und Miriam Fuchs (v.l.)

feem: Führungskräfte haben eine hohe Verantwortung, wenn es um die Gesundheit ihres Teams geht. Das kann für sie selbst belastend sein. Welche Strategien helfen, um diese Belastung zu senken? 

MF: Führungskräfte müssen Stresskompetenz aufbauen und lernen Grenzen zu setzen. Gleichzeitig brauchen sie Empathie für ihre Mitarbeiter:innen. Sie müssen sie sehen und hören. Außerdem ist es wichtig, dass sie für sich definieren, was ihre Hauptaufgabe ist, und andere Tätigkeiten delegieren. Oft kann sich die Führungskraft nicht mehr auf das operative Geschehen konzentrieren. Das gilt es zu akzeptieren. 

feem: Wie unterstützt Caravita Business Unternehmen im BGM? 

SL: Wir entwickeln bedarfsorientierte Maßnahmen, die sich an die Strukturen und Gegebenheiten im Unternehmen anpassen und dann Verbesserungen umsetzen. Unser Schwerpunkt liegt auf der psychosozialen Gesundheit, Bewegung und Stressmanagement. Dabei beraten wir nicht nur, sondern führen Maßnahmen auch aktiv durch.  

MF: Ich vergleiche unsere Arbeit gern mit einem Navigationssystem. Wir ermitteln den Startpunkt, setzen uns ein Ziel und schauen dann, wie wir am effektivsten dorthin kommen. Das ist bei jedem Unternehmen sehr individuell. 

feem: Wie sieht eure Kooperation mit feem aus? 

MF: Wir haben gemeinsam mit feem den Workshop POWER FROM WITHIN entwickelt. Dieser zeigt dir, wie innere Haltung und äußere Wirkung zusammenhängen und wie Du beides im Arbeitsalltag gezielt trainierst. Du erlebst, wie Bewegung und Selbstregulation Stress senken, Präsenz erhöhen und mentale Ressourcen Gelassenheit und Fokus aktivieren. Anschließend übersetzt Du diese innere Stabilität in deeskalierende und souveräne Körpersprache, klare Kommunikation und sichere Handlungsoptionen für schwierige Situationen mit Kunden oder im Team. Mit dem Ergebnis: Du erkennst Warnsignale früher, steuerst Dein Verhalten bewusster und bleibst auch unter Druck handlungsfähig. 

SL: Besonders spannend ist die Verbindung der zwei Perspektiven. CaraVita Business stärkt die innere Selbstregulation und Präsenz, feem übersetzt das direkt in äußere Wirkung und konkrete Deeskalationshandlung. Gerade das Thema “Gewalt” ist aktuell in unserer Gesellschaft. Damit müssen sich Unternehmen auseinandersetzen. Das gilt für Mitarbeiter:innen, die Kundenkontakt haben, aber auch für Konflikte innerhalb des Teams.  

feem: Wenn ihr euch etwas wünschen könntet, wie würde BGM in fünf Jahren aussehen? 

SL: Ich wünsche mir, dass Geld in der Gesundheitsprävention keine Rolle mehr spielt, Unternehmen mutiger werden und einfach mal was ausprobieren.  

MF: Ich wünsche mir, dass man keine Überzeugungsarbeit mehr leisten muss, wenn es darum geht die Gesundheit von Menschen zu stärken.  


Lisa Gerth, 24. August 2026